Der 55-°C-Test: So prüfen Sie Ihre Heizkörper für eine Wärmepumpe selbst
Die häufigste Sorge bei Wärmepumpen im Altbau lautet: „Meine Heizkörper sind zu klein.“ Ob das stimmt, müssen Sie nicht raten. Mit Ihrer jetzigen Gas- oder Ölheizung können Sie es an ein paar kalten Tagen selbst testen – kostenlos und ohne Messgerät.
Kurz gesagt: Vorlauftemperatur an kalten Tagen auf höchstens 55 °C begrenzen, alle Thermostate aufdrehen, zwei bis drei Tage beobachten. Werden alle Räume warm, ist das ein gutes Zeichen für eine Wärmepumpe.
Warum 55 °C?
Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Temperatur ist, mit der das Heizwasser zu den Heizkörpern fließt (Vorlauftemperatur). Eine häufig genannte Faustregel: Jedes Grad weniger verbessert die Effizienz um etwa 2 bis 2,5 %. Viele Wärmepumpen können zwar auch höhere Temperaturen liefern, arbeiten dann aber teurer.
55 °C gilt als praktische Grenze: Kommt das Haus an kalten Tagen damit aus, ist ein effizienter Betrieb gut möglich. Noch besser sind 50 oder 45 °C – ein zweiter Durchgang mit niedrigerer Temperatur lohnt sich also.
Anleitung in 5 Schritten
1. Kalte Tage abwarten
Der Test sagt nur an kalten Tagen etwas aus – ideal sind mehrere Tage um 0 °C oder kälter. Im Herbst oder an milden Wintertagen wird es fast immer warm.
2. Vorlauftemperatur begrenzen
Stellen Sie an der Heizung die maximale Vorlauftemperatur auf 55 °C ein oder senken Sie die Heizkurve so weit ab, dass 55 °C nicht überschritten werden. Wie das bei Ihrem Gerät geht, steht in der Bedienungsanleitung (Stichworte: Heizkurve, Steilheit, maximale Vorlauftemperatur). Die Warmwassertemperatur lassen Sie unverändert.
3. Alle Thermostate ganz aufdrehen
Damit die Heizkörper ihre volle Leistung bringen, drehen Sie in allen Räumen die Thermostatventile auf. Fenster geschlossen halten, normal weiterwohnen.
4. Zwei bis drei Tage beobachten
Notieren Sie morgens und abends die Temperatur in jedem Raum. Ein einfaches Raumthermometer reicht. Als Ziel gelten etwa 20–21 °C in Wohnräumen und ca. 22–24 °C im Bad.
5. Ergebnis einordnen
| Ergebnis | Was es bedeutet |
|---|---|
| Alle Räume werden warm | Gute Ausgangslage. Probieren Sie ruhig 50 °C. |
| Ein oder zwei Räume bleiben kühl | Häufig lösbar, meist mit einem größeren Heizkörper in diesen Räumen. |
| Viele Räume bleiben kühl | Vor der Wärmepumpe sind voraussichtlich größere Maßnahmen zu prüfen – Heizkörper, Dämmung oder beides. |
Worauf Sie achten sollten
- Hydraulischer Abgleich: Bleiben einzelne Räume kalt, obwohl der Heizkörper groß genug scheint, kann ein fehlender hydraulischer Abgleich die Ursache sein. Das ist ohnehin ein Punkt fürs Angebot.
- Nachtabsenkung: Nach einer starken Nachtabsenkung braucht das Haus morgens mehr Leistung. Schalten Sie sie für den Test am besten ab – eine Wärmepumpe läuft später ohnehin eher gleichmäßig.
- Aufschreiben: Ihre Notizen sind wertvoll. Nehmen Sie sie zum Termin mit, zusammen mit der Kurzinfo aus dem Vorcheck.
Und wenn es nicht warm wird?
Dann ist eine Wärmepumpe nicht automatisch ausgeschlossen – aber es ist ehrlich, zuerst über die Heizflächen oder die Dämmung zu sprechen. Fragen Sie den Fachbetrieb, welche Heizkörper getauscht werden müssten und was das kostet. Oft betrifft es nur wenige Räume.
Wie viel Ihre Heizkörper bei 55 °C noch leisten, rechnet der Heizkörper-Leistungsrechner aus. Wie groß die Heizlast Ihres Hauses ungefähr ist, können Sie parallel aus dem Verbrauch abschätzen.
Häufige Fragen
Was ist der 55-Grad-Test?
Sie begrenzen an einem kalten Tag die Vorlauftemperatur Ihrer jetzigen Heizung auf höchstens 55 °C und beobachten, ob alle Räume warm werden. Klappt das, kommen Ihre Heizkörper wahrscheinlich mit den Temperaturen aus, bei denen eine Wärmepumpe effizient arbeitet.
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Test?
An einigen Tagen mit Außentemperaturen um 0 °C oder darunter. An milden Tagen wird es fast immer warm – das sagt wenig aus.
Was tun, wenn ein Raum kalt bleibt?
Das ist häufig und oft lösbar: Meist reicht es, in diesem Raum einen größeren Heizkörper oder einen Niedertemperatur-Heizkörper einzubauen. Notieren Sie, welcher Raum wie warm wurde, und zeigen Sie das dem Fachbetrieb.
Kann ich beim Test etwas kaputt machen?
Eine niedrigere Vorlauftemperatur schadet der Heizung nicht. Lassen Sie aber die Warmwassertemperatur unverändert. Wenn Sie unsicher sind, wie Sie die Einstellung ändern, fragen Sie beim nächsten Wartungstermin Ihren Heizungsbetrieb.
Wie sieht das bei Ihrem Haus aus?
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